Episode 43: Zugang und OER, die Uni der Zukunft und die Zukunft der Uni

In Episode 43 sprechen wir darüber ob es für OER Erstellung (und auch andere Lebens- und Arbeitsbereiche) wichtig ist, ob das Werkzeug oder die Software offen und frei sind und was das bedeutet. Außerdem geht es um die Zukunft der Universität, leider nicht um die Universität der Zukunft. In der Kür sprechen wir über OER und die Kosten- bzw. Textbuch-Debatte im OER Kontext. Feedback wie immer sehr gern auf unserer Website.

Was wir trinken

Markus: Wasser
Christian: Budweiser Budvar

Feedback

Marke 2:40

Was wir gemacht haben

Christian
Markus
Marke 23:10

Was wir gelesen haben

Jöran Muuß-Merholz: Offen ist, was Zugang schafft! Oder: Warum Google Docs für OER wichtiger als Libre Office ist https://open-educational-resources.de/offen-ist-was-zugang-schafft-oder-warum-google-docs-fuer-oer-wichtiger-als-libre-office-ist/
Marke 1:01:30
Ulf Ehlers: Die Universität der Zukunft… eine Skizze (vorab) https://ulf-ehlers.net/2017/09/16/die-universitat-der-zukunft-eine-skizze-vorab/
Argumentation:
  • Prämisse 1: zunehmender Bedarf an Hochschulbildung, Studieren wird zur Normalbiographie (ca. 50% einer Alterskohorte); Bildungsbeteiligung = Immatrikulation in einer Hochschule
  • Prämisse 2: Digitalisierung als “Mega-Trend”, Digitalisierung der Hochschule
  • Conclusio: Wir befinden uns in einer Bildungsgesellschaft
Prämisse 1 ist für mich nachvollziehbar, Prämisse 2 nicht, da Belege fehlen; es sind Behauptungen, zu denen es Entgegnungen gibt. Beispiel:
“Wissensvermittlungsprozesse verlieren ihre Raum- und Zeitgebundenheit und Studium kann neu und unabhängig von Seminarräumen und Präsenzveranstaltungen organisiert werden.” dazu haben wir in der letzten Folge den Artikel von Jöran Muuß-Merholz: Es gibt keinen Raum namens „Anywhere“ – woran e-learning scheitert. https://www.joeran.de/es-gibt-keinen-raum-namens-anywhere-woran-e-learning-scheitert/ besprochen.
Hier (https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000064688) wird auch betont, dass sich viele der Versprechungen und Prophezeiungen seit 20 Jahren wiederholen. Es ist somit zweifelhaft, ob sich das so schnell wie behauptet ändern wird. Der Umgang von Hochschulen mit digitalen Medien ist eher abwartend als proaktiv. 
Somit beruht die Argumentation auf einem ungerechtfertigten Schluss: Prämisse 1 und 2 verstärken sich gegenseitig und führen zu einem “immer stärker spürbaren Gestaltungsdruck in Richtung Individualisierung und lebenslanger akademischer Bildungsnotwendigkeit” Welche Art von Individualisierung gemeint ist, wird nicht erläutert. 
Es werden dann neue Begriffe hineingeworfen, wie etwa Diversität. Die Schlussfolgerung zeichnet ein stark idealisiertes Bild, das von einem neolibarelen Bildungsverständnis zeugt: “Vielmehr werden Studierende auf Grundlage ihrer eigenen Präferenzen zunehmend ihre eigene Zusammenstellung von Angeboten und Institutionen vornehmen.” Es wird statt von Bildung, nur von Kompetenzen und Qualifikationen gesprochen, es entsteht ein permanenter Zwang zur Selbstoptimierung, bei der tiefere Werte und Persönlichkeitsentwicklung fehlen. Es fehlt eine pädagogische Position, bei der es um Orientierung und die “Menschwerdung” geht. Nicht berücksichtigt werden die uneinheitlichen Befunde zur Wirkungsweise technologieunterstützenden Lernens.
Marke 1:25:35
Stephen Downes antwortet David Wiley If we talked about the internet like we talk about OER https://halfanhour.blogspot.de/2017/11/if-we-talked-about-internet-like-we.html
Jim Groom, auch dazu “OER you not inspired?http://bavatuesdays.com/oer-you-not-inspired/
Antwort David Wiley: More on the Cost Trap and Inclusive Access https://opencontent.org/blog/archives/5244 
Marke 1:37:10
Downes’ Kommentar zu “Mapping the Open Education landscape”: http://www.downes.ca/post/67423 
Marke 1:38:45

Rubrik: Größter Blödsinn der Woche

Marke 1:41:15

Was wir tun werden

Christian
  • Vorbereitung Virtually Connecting in deutscher Sprache #OERde17     
  • Vorebreitung Workshop OEB17
  • Podcast Meetup Hamburg 16.11.
  • Aufzeichnung Teaching in Higher Ed Podcast http://teachinginhighered.com/ 
Markus
  • Podcast Meetup Hamburg 16.11.
  • OER-Workshop in Hamburg
  • Flensburg Winterschool
  • OER-de17 Festival

6 Replies to “Episode 43: Zugang und OER, die Uni der Zukunft und die Zukunft der Uni”

  1. Moin, ihr beiden! Ich hatte nach langer Abstinzenz endlich mal wieder Zeit, auf ein Bier reinzuhören – tolle Episode, und Eure Diskussion von Jörans Beitrag (der mit seinem Beitrag -analog zum PowerPoint-Pushing – stark verkürzend und schön den ‘Devil’s Advocate’ gibt 😉 ) war klasse!

    Was ich in Bezug auf den ersten Abschnitt ergänzend loswerden möchte (ist aber vielleicht auch Haarspalterei…), da es gefühöt an manchen Stellen (hier & auch rund um Jörans Beitrag in Kommentaren, etc.) zu kurz kommt: Lehrpersonen (an Schulen und Hochschulen) setzen sich ja idealerweise (@Christian bei OER-Nirwana musste ich sofort an Fünf Sterne Deluxe denken 😉 ) nicht nur selbst mit Fragen nach Offenheit auseinander, sondern können diese auch “ihren” Lernenden vorleben. Von wegen OEP und so… 😉

    D. h. im diesem Kontext (egal, ob die konkrete Manifestation von Practices sich pragmatisch auf GoogleDocs, PowerPoint oder Word stützt, oder aktiv auf offene Tools baut) wäre es m.E. sinnvoll, die reflektierende Ebene zur Kontextualisierung zu stärken und die Lehrenden aktiv dazu anzuregen, sich über Nutzung & Konsequenzen von Tools Gedanken zu machen, damit dieses Framing dann auch an Lernende weitergegeben werden kann.

    Auf dieser Ebene halte ich Jörans Aussage zu “nutzt GoogleDocs und dann passt das schon” eben tatsächlich zu sehr verkürzt, da dadurch Lehrende die Empfehlung eines Tools mitnehmen, dies in der Lehre einsetzen und sich nicht mehr damit auseinandersetzen müssen, unter welchen Vorzeichen die Nutzung erfolgt… im Sinne von “ah, okay, GDocs passt schon, danke”.

    1. Ich finde auch nicht, dass das Haarspalterei ist. Guter Punkt, besten Dank. Man könnte das auch miteinander verknüpfen und behaupten, dass Lehrerinnen und Lehrer gerade dann Vorbilder sind, wenn sie nicht mit der (wenig hilfreichen) IT Infrastruktur konform gehen und sich selbst für etwas Anderes – womöglich gemeinsam mit den Lernenden – entscheiden.

  2. Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, Tobi. Daran sieht man gut, wie vielschichtig das alles ist. Wir bleiben da auch weiter dran und führen diese wichtige Diskussion weiter.

    Sonnige Grüße,
    Markus

  3. Markus, ich bin bei Dir. In Deiner Argumentation fehlte mir der Aspekt der Verantwortung, die wir als Nutzer, insbesondere als Lehrende, haben. Gerade, weil Christian so pragmatisch argumentiert. Um eben nicht der “Wirklichkeitskonstruktionen” von Big Playern ohne eigenen Beitrag zu erliegen, braucht es Open Source und die konsequente Nutzung dieser. Wenn die Usability und die Nutzungsmöglichkeiten noch nicht ausreichend sind, sollte doch daran gearbeitet werden, damit wir nicht unsere digitale Realität nachhaltig von kommerziellen Anbieten gestalten lassen. Dazu braucht es Aufklärung, konsequente Kompetenzvermittlung im Bereich technischer Entwicklung und staatliche (wenigsten institutionelle) Unterstützung.

  4. und nochmal: Die logische Analyse des Ehlerschen Beitrag mit der merkwürdigen “Bildungsgesellschaft” als Conclusio finde ich super. Vielleicht wäre es weiterführend, die ausgelassenen Prämissen detailliert auszuführen. (Du sprichst von hintergründigen Werten und fehlenden Studien als Begründungszusammenhang.) Zudem sollte auch das Bedeutungsfeld “Bildungsgesellschaft” und “Digitalisierung” abgesteckt werden.
    @Christian: Super aufgedeckt: Die Umkehrung: Universität der Zukunft versus Zukunft der Universität.

    1. Dank Dir für die Kommentare, Jane. Meine Argumentation zu den tools war an vielen Stellen eher eine Kritik daran, dass wir implizit die Verantwortung auf den einzelnen Nutzer, also Lehrerinnen und Schüler, abladen obwohl wir uns ja eigentlich alle einig sind, dass sich Ordnungsrahmen und Incentivierung genau so wie die technische und Software-Ausstattung ändern müssen. Vielleicht ist das die Zukunft der Uni 🙂

      Im Moment (ich glaube in den letzten 2-3 Folgen) befasst sich auch das Team von den OERlabs im Bildungsshaker Podcast mit Uni der Zukunft und Zukunft der Uni, vielleicht ist das auch was für dich: https://oerlabs.de/podcast/

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